Inhalte und Ziele |
Zentrales Anliegen des vom Haus der Geschichte in seiner Funktion als geschäftsführendes Institut des Netzwerkes Mediatheken in Kooperation mit dem Deutschen Rundfunkarchiv veranstalteten Symposions ist es, Zugänge zu dem Kulturgut "audiovisuelle Medien" zu schaffen. |
Inhalte |
Das Symposion diskutiert die Bedeutung von Mediensammlungen. Hierbei werden die Sicht der Kulturpolitik und die Funktion von Mediensammlungen für die Informationsgesellschaft beleuchtet sowie damit zusammenhängende Fragen des Urheberrechts erörtert. |
1. Wo werden welche Medien in welcher Form gesammelt und erschlossen? |
Die "Tagesschau" zu finden ist relativ leicht. Hier ist das Archiv des bekannten Senders zu fragen. Bei historischen Serien wie "Raumpatrouille" wird es schon schwieriger. Welcher Sender war verantwortlich? Wer würde bei der Bavaria GmbH in Geiselgasteig nachfragen? Oder wie kommt man an die HB-Männchen-Werbung?
Werden die gesendeten Produktionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und auch bei den meisten privaten Fernsehsendern durch ihre eigenen Archive erschlossen und gepflegt, sind Filme von Wirtschaftsunternehmen, von öffentlichen Gebietskörperschaften oder von Privatpersonen viel schwerer aufzufinden. Dabei wird das Dilemma des fehlenden Überblicks noch durch die Menge der neu produzierten AV-Medien gesteigert. Die Liste der Rechercheprobleme ließe sich endlos verlängern. Wenn man beim Kulturgut "Buch" ebenso suchen müsste wie bei den AV-Medien, hätte man das Lesen sicherlich bereits aufgegeben. Wege aufzuweisen, wie das Kulturgut "AV-Medium" zu finden ist, ist ein Hauptziel des Symposions. |
2. Mit welcher Kompetenz und mit welchem Interesse werden Medien gesammelt? |
Viele Institutionen - vor allem die Sender - haben zur Archivierung von Medien entsprechende Archive eingerichtet. Damit verfolgen sie vor allem das Interesse, ihre eigene redaktionelle Sendearbeit zu unterstützen und zu dokumentieren. Zugang für die Öffentlichkeit zu schaffen, wird aus nachvollziehbaren Gründen nicht prioritär betrieben. Die formale dokumentarische Erfassung wird mit hoher Kompetenz geleistet und ermöglicht bei Anfrage sehr gute Rechercheergebnisse.
Die großen zentralen Archive der Gebietskörperschaften sammeln ebenfalls im Rahmen ihres rechtlichen Auftrags Medien. Im Regelfall haben sich bei den größeren Archiven hochspezialisierte Medienarchive herausentwickelt. Zugang wird im Regelfall - so zumindest nach dem Bundesarchivgesetz - "Jedermann" gewährt. Landesbildstellen, zum Teil als eigene Institution, zum Teil als integrierte Arbeitseinheit eines Landesarchivs, sind ebenfalls unter diese Rubrik zu fassen. Auch Bibliotheken sammeln seriell produzierte AV-Medien und halten diese für die interessierte Öffentlichkeit abspielfähig zur Verfügung.
Inzwischen gibt es eine nur schwer überschaubare Anzahl von Institutionen, die Mitschnitte unter inhaltlichen Schwerpunkten zusammenstellt. So ist zum Beispiel über die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland der Zugriff auf AV-Medien zur Zeitgeschichte wahrscheinlich effizienter als über andere Institutionen, da die Medien dort unter dem speziellen Dokumentationsfokus "Zeitgeschichte" erfasst sind. Die Retrievalfähigkeit ist hier besonders gut, da bei der dokumentarischen Beschreibung das institutionelle Kontextwissen Eingang gefunden hat.
Vor diesem institutionellen Hintergrund sucht das Symposion Antwort auf die Frage, ob nicht - selbstverständlich unter Wahrung der Interessen der Sender bzw. Urheber - eine dezentrale Bestandshaltung mit vielfältigen "Medienzentren" ein Modell sein kann, das Kulturgut "Medien" zu erhalten, zu erschließen und für die interessierte Öffentlichkeit präsent zu halten. Ein weiterer Vorteil dieses Modells wäre, eine Antwort auf die oft gestellte Frage geben zu können, welche AV-Produktionen zukünftig erhaltenswert sind. Gerade die Fülle von Institutionen mit inhaltlichen Schwerpunktinteressen würde diese Selektionsarbeit leisten. Diese reproduzierten Sammlungen ergänzen damit die großen Mediensammlungen der Rundfunkarchive und könnten diese Sammlungen stark entlasten, indem sie Serviceleistungen gegenüber der Öffentlichkeit übernehmen. |
3. Nach welchen Qualitätsstandards erfolgt die Erschließung? |
Die Dokumentation von AV-Medien erfolgt heute über digitale Datenbanken. Die großen Archive haben hierzu komplexe Dokumentationskonventionen entwickelt. Zu fragen ist, inwieweit diese Konventionen Vorbildfunktion für andere Institutionen haben können und ob es möglich erscheint, einen gemeinsamen Standard zu finden. Das Symposion wird vor diesem Hintergrund auch der Frage nachgehen, ob sogenannte "Cross-over-Recherchen", also gleichzeitige Recherche über mehrere Datenbanken, sinnvoll und wünschenswert sind. Oder sind bei inhaltlich bzw. institutionell vorstrukturierten Zugängen über Datenbanken spezialisierter Einrichtungen die exakteren Treffermengen zu erwarten? |
4. Stehen Urheber- und Leistungsschutzrechte einerseits und das Interesse an einem breiteren Zugang den Medien andererseits in einem Gegensatz? |
Der Schutz des Urheberrechts ist ein hohes Rechtsgut, das in den letzten Jahren durch Gesetzesnovellen weiter gestärkt wurde. Es muss bei allem Bemühen, das Kulturgut AV-Medien zu erschließen und zugänglich zu machen, immer der Grundsatz gelten, die Rechte der Sender und Medienproduzenten zu achten bzw. abzugelten. Das Symposion wird daher auch die Frage erörtern, ob es rechtliche, ökonomische und technische Möglichkeiten gibt, unter Wahrung dieser Interessen einen breiten Zugang zu den AV-Medien zu schaffen. Rechtliche Möglichkeiten bestehen zum Beispiel in entsprechenden Kooperationsvereinbarungen zwischen Sendern und Informationsinstitutionen, die bestimmte Nutzungen regeln. So erhielt die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland mit ihren Häusern in Bonn und Leipzig Nutzungsrechte vom WDR für eine öffentliche Nutzung der Sendereihe "Zeitzeichen" in seinem Informationszentrum. Denkbar sind eventuell auch pauschale Abgeltungen. Weiterhin könnten zum Schutz vor unerlaubter Verbreitung und Vervielfältigung neue technische Lösungen in Betracht kommen wie zum Beispiel digitale Wasserzeichen für AV-Medien. Ein Pilotprojekt wird vom Deutschen Rundfunkarchiv zurzeit durchgeführt.
Diese Fragestellungen sollen im internationalen Vergleich mit der Situation in der Bundesrepublik erörtert werden. Die Länderauswahl erfolgt nach Kriterien wie föderales System (z.B. Deutschland), zentralistisches System (z.B. Frankreich) und Größe des Marktes (z.B. USA). |
Ziele des Symposions sind: |
- Das Bewusstsein für die Bedeutung des Kulturgutes "AV-Medien" zu schärfen.
- Einen Überblick über den Stand der AV-Erschließung in Deutschland zu geben.
- Anregungen zu geben, wie die Interessen von Urhebern und Nutzern verbunden werden können.
- Das Netzwerk als Modell vorzustellen, das sich dieser Aufgaben annehmen kann.
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Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.
Die Ergebnisse sollen in einer Publikation zusammengefasst werden. |